Chronik der Löschgruppe Nenkersdorf

" Gott zur Ehr,dem Nächsten zur Wehr"

Die Löschgruppe (früher Löschzug) Nenkersdorf ist die älteste Feuerwehr Netphens.

Laut einer Urkunde aus dem Jahre 1853 ist sie heute 158 Jahre alt.

 

    

Der erste urkundliche Nachweiß


Wortlaut der Urkunde


Erstmals urkundlich erwähnt wurde der

Löschzug Nenkersdorf im Jahre 1853

Zu diesem Zeitpunkt hat der Löschzug folgende in der Gründungsurkunde aufgelistete 24 Mitglieder:

Ursprung für die Gründung der Feuerwehr war die am 30.11.1841 erlassene

"Feuer-Polizei-Ordnung für die Provinz Westfalen"

welche die Gemeinden verpflichtete zur "Vorbeugung von Feuersgefahr", über "Vorkehrungen zur Löschung von Feuersbrünsten" und für das "Verhalten bei und nach dem Ausbruch von Feuer" Sorge zu tragen. So wurde im § 50 hinsichtlich der "Feuer-Löschgerätschaften" dieser Ordnung jede Gemeinde verpflichtet, "die zur Löschung des Feuerausbruches und zur Abwendung des dabei zu besorgenden Schadens erforderlichen Anstalten bei sich zu begründen, anzuschaffen und stets in gehörigem Stand zu erhalten"

Bereits vor dem ersten Weltkrieg hatte die freiwillige Feuerwehr ein eigenes Domizil als Geräteschuppen. Dieser Fachwerkbau mußte in den Folgejahren einige Male anderen Bauwerken Platz machen. Zunächst in der damaligen Ortsmitte stehend...

 


wurde der Platz nach dem ersten Weltkrieg als Standort für ein Kriegerdenkmal gewählt. Versetzt wurde der Geräteschuppen an den heutigen Standort der katholischen Kapelle. Auch hier musste der Schuppen weichen als die Kirchengemeinde sich entschloss eine eigene Kapelle nach Nenkersdorf zu errichten. Dies war im Jahre 1957. Der Geräteschuppen wurde dann zwar wieder aufgebaut, wechselte jedoch in Privatbesitz und dient so dem heutigen Eigentümer noch als Geräteschuppen

In den Folgejahren, so haben Nachforschungen der Gemeindeverwaltung 1985 ergeben, hat die Feuerwehr Nenkersdorf ihre Tätigkeit nie eingestellt, so das davon auszugehen ist das der Löschzug Nenkersdorf ohne Pause bis zum Jahre 1937 weiter bestand. Ab dem genannten Jahr existieren wieder Unterlagen welche den Bestand der Wehr dokumentieren.

Als Beispiel für die Zeit dazwischen hier Fotos von Feuerwehrleuten um 1910 und entsprechenden Ausrüstungsgegenständen

Ab dem Jahre 1937 existieren wieder unterlagen über den Bestand der Nenkersdorfer Wehr. Zu dieser Zeit besteht die Feuerwehr Nenkersdorf als eine Art Bürgerwehr unter der Leitung des damaligen Hauptwachtmeisters Alfred Heupel aus Nenkersdorf


Im Jahre 1943 nimmt dieser an einem "Führerlehrgang Stufe II" in der Feuerwehrschule in Münster teil.

Durch die Einwirkung des 2. Weltkrieges sind in Nenkersdorf keine Brände zu bekämpfen gewesen. In Walpersdorf brannte durch Flugzeugbeschuss der Dachstuhl des Hauses Hinkel ab.

Die einzelnen Mitglieder der damaligen Feuerwehr können nicht namentlich benannt werden, da durch das fehlen einiger Kameraden, bedingt durch Kriegsdienst, auch viele Frauen zum Feuerwehreinsatz gerufen wurden.


Nachfolger des Hauptwachtmeisters wurde Ernst Stein um das Jahr 1950. Die Aufgabe des stellvertretenden Wehrführers übernahm nun Ernst Metz

Heimat der freiwilligen Feuerwehr war der zuvor bereits erwähnte Fachwerkschuppen am heutigen Standort der katholischen Kapelle.

Der erste große Einsatze nach dem zweiten Weltkrieg war ein Brand des Hauses Heinrich Schmitt (Hirte) in Walpersdorf im Jahre 1952

Ebenfalls im Jahre 1952 mußte die Feuerwehr eingreifen bei einem großen Wohnhausbrand in Nenkersdorf. Hier brannten die Häuser Vitt, Zimmermann und Klein im alten Ortskern. Hierbei unterstützten die Kameraden der damaligen Feuerwehr aus Walpersdorf tatkräftig und halfen eine größere Katastrophe verhindern.


Als wichtigstes und bestes Hilfsmittel in den damaligen Jahren war die Feuerwehr mit einer Doppelkolbenhandpumpe ausgerüstet. Diese Pumpe ist heute noch voll funktionsfähig und hat einen Ehrenplatz im heutigen Gerätehaus

 

Im Jahre 1956 übernahm der bis dahin stellvertretende Löschzugführer Brandmeister Ernst Metz die Leitung der Nenkersdorfer Wehr. Zu seinem Stellvertreter wurde nun Leo Leyener.

 


Die Feuerwehr war zu diesen Zeitpunkt 25 aktive Kameraden stark.

Im einzelnen waren dies die Kameraden:

Im Jahr 1959 wurde die Nachbarwehr in Walpersdorf aufgelöst und die aktiven Kameraden traten in die Nenkerdorfer Wehr ein. Die Nenkersdorfer Wehr übernahm somit den Brandschutz auch für Walpersdorf.

Ein großer Einsatz in dieser Zeit war der Walpersdorfer Dorfbrand bei dem die Häuser Heinz Sting und Martha Wagener ein Raub der Flammen wurden.

Als erste „moderne“ Anschaffung erhielt die Feuerwehr Nenkersdorf einen TSA (Tragkraft-Spritzen-Anhänger) am 15.03.1965. Dieser Hänger war zuvor beim benachbarten Löschzug in Grissenbach im Einsatz. (Der Hänger, welcher erstmalig am 1. Juli 1953 zugelassen wurde, wurde später, einige Jahre nach seiner Außerdienststellung durch die Kameraden des Löschzuges wieder renoviert und als Geräteanhänger am 24. Feb. 1998 wieder zugelassen.) Das damalige Amt Netphen beschaffte zur Ausstattung dieses Hängers eine Tragkraftspritze Typ TS8/8.

Sieben Jahre war diese Kombination, Hänger mit TS, die Ausrüstung der Nenkersdorfer Wehr. Im Ernstfall fuhr einer der Feuerwehrkameraden mit seinem Traktor den Hänger zum Einsatzort damit die Gerätschaft und im speziellen die Tragkraftspritze zur Stelle war.


Dann wurde 1972 das erste selbstfahrende Feuerwehrfahrzeug ein TSFT bei der Nenkersdorfer Wehr stationiert.

 

 

Löschzug bei einer Übung (23. Okt 1976)


Im Jahre der Gründung der Großgemeinde Netphen wurde Nenkersdorf 1970 ein Ortsteil der neuen Gemeinde. Dies betraf natürlich auch die Freiwillige Feuerwehr. Aus der

Freiwilligen Feuerwehr Nenkersdorf

unter Löschzugführer Ernst Metz wurde nun der

Feuerwehr der Gemeinde Netphen, Löschzug Nenkersdorf.

Des weiteren wurden zur Steigerung der Effektivität und zur Stärkung der Schlagkraft die Löschzüge Nenkersdorf, Grissenbach und Deuz zum 3.LR-Zug zusammengefaßt. Die Eigenständigkeit der einzelnen Löschzüge blieb aber erhalten.

1975 legte der stellvertretende Löschzugführer Leo Leyener sein Amt nieder. Zum neuen stellvertretenden Löschzugführer wurde nun Gerhard Schmidt ernannt.

Ein Waldbrand an der Eisenstraße zwischen Siegquelle und Lahnhof brachte im Jahre 1975 Große Mengen Munition zutage, welche nach dem Ende des zweiten Weltkrieges dort zur Sprengung hingebracht wurde aber nicht vollständig vernichtet war. Im nachhinein stellte sich die Gefährlichkeit dieses Einsatzes erst wirklich heraus. Große Mengen Munition wurden in dem dann weiträumig abgesperrten Waldgebiet gefunden und bis zum heutigen Tage aufgespürt und vernichtet.


Im Jahre 1977, die Feuerwehr setzte sich nun aus 21 aktiven Kameraden zusammen, erhielt der Löschzug ein

Neues Fahrzeug.

 

Dieses LF8 wurde aus Platzgründen, der Bau eines neuen Gerätehauses war begonnen, für ca. 1 Jahr beim Löschzug Dreis-Tiefenbach untergestellt. Mindestens einmal pro Woche wurde dieses Fahrzeug zu Übungszwecken nach Nenkersdorf geholt.


Um die Ausrüstung dieses neuen Fahrzeuges und damit der Wehr, zu verbessern wurden in Eigeninitiative und mit zahlungskräftiger Unterstützung der Nenkersdorfer Bevölkerung sowie der Waldgenossenschaften die Anzahl der Atemschutzgeräte im Jahre 1977 aufgestockt und somit für den Einsatz sicher gemacht.

Mit der offiziellen Übergabe des neu erstellten Gerätehauses am 21.06.1978 erhielt dieses Fahrzeug sein Domizil am vorbestimmten Platz in Nenkersdorf.

Der damalige Löschzugführer Ernst Metz verstarb im Jahre 1979 im Alter von 52 Jahren. Seine Nachfolge trat der bis dahin stellvertretende Löschzugführer Gerhard Schmidt an. Dessen Bruder Heinz Schmidt wurde zeitgleich zum neuen Stellvertreter benannt.


1980 wurde erstmals am Leistungsnachweis der Feuerwehren teilgenommen. Mit wechselnder Beteiligung, ein oder zwei Gruppen, wurde dies bis zum heutigen Tage beibehalten.

 

 

 

 

 

Anno 1985 mußte der Löschzug zu einem Großbrand des Hofes Schulte in Walpersdorf ausrücken. Gemeinsam mit den Löschzügen aus Deuz und Grissenbach wurde dieses Feuer bekämpft.

 

In den folgenden Jahren kam es immer wieder, bedingt durch die im hiesigen ländlichen Raum übliche Holzfeuerung, zu Kaminbränden. Auch einige kleinere Flächenbrände kamen fast regelmäßig dazu.

Im Jahr 1989 wurde der Feuerwehr durch die Provinzial (Feuer) Versicherung eine Heumesssonde gestiftet. Da in den Jahren noch sehr viel Landwirtschaft, auch im Nebenerwerb.


betrieben wurde kam diese Sonde sehr oft vorbeugend zum Einsatz um das Gefahrenpotential entsprechend einschätzen zu können.

Die Feuerwehr hatte nun eine stärke von 25 Kameraden sowie eine in den Startlöchern stehende Jugendfeuerwehr, was dazu führte das die Größe des Schulungsraumes nicht mehr ausreichend war. Nach langem Tauziehen wurde am 9.12.1991 ein Anbau an den vorhanden Schulungsraum genehmigt. Dies war durch sehr viel Eigenleistung des Löschzuges im Bereich des Innenausbaues möglich. Der Schulungsraum konnte durch diese Maßnahme von ca. 20m² auf nun ca. 40m² erweitert werden.

Im Jahre 1992 wurde durch die Kameraden Joachim Kringe und Markus Kringe eine Jugendfeuerwehr im Löschzug Nenkersdorf ins Leben gerufen. Zu Beginn umfasste diese Nachwuchstruppe die Mitglieder:

Steffen Daub, Phillip Ebach, Patrick Stöcker Jan Michel, Torsten Weber, Jngo Gutsch, Michael Büdenbender.

(in der hinteren Reihe Joachim Kringe, Markus Kringe, Gerhard Schmidt)

Die Jugendarbeit wurde seit dem sehr intensiv betrieben, so das man bereits im Jahre 1994 als Ausrichter der Jugend-Gemeindemeisterschaft auftrat.


Der stellvertretende Löschzugführer Heinz Schmidt

trat im Januar 1995 von seiner Aufgabe zurück und der

Kamerad BM Markus Kringe

 wurde zu dessen Nachfolger bestellt.

 

Ebenfalls im Jahre 1995, im November, legte auch der damalige Löschzugführer Gerhard Schmidt

sein Amt nieder. Zu dessen Nachfolger wurde Joachim Kringe gewählt,

der zuvor an der Landesfeuerwehrschule in Münster

seine Prüfung zum Brandmeister abgelegt hatte.

 

Eine neue Tragkraftspritze TS 8/8 wurde 1996 als Ersatz für die ausgemusterte alte, mit "Käfermotor" betriebene, Tragkraftspritze angeschafft. Diese Neue Maschine war zum damaligen Zeitpunkt die modernste am Markt verfügbare ihrer Art.

Ebenfalls Im Jahre 1996 beteiligte sich eine Gruppe der Jugendfeuerwehr erfolgreich an den Gemeindemeisterschaften, welche in diesem Jahr in Nenkersdorf ausgerichtet wurden. Hier wurde ein 2. Platz errungen.

Im Oktober 1997 löste Klaus-Peter Bretzger den

bisherigen stellvertretenden Löschzugführer Markus Kringe

in dieser Funktion ab. Anschließend legte dieser, ebenfalls an der

Landesfeuerwehrschule in Münster, seine Prüfung als Brandmeister ab.

Die Jugendfeuerwehr konnte am 30. Mai 1998 Ihren bisher größten Erfolg verbuchen. Bei der im Ortsteil Hainchen ausgetragenen Gemeindemeisterschaft erreichte man den ersten Platz und wurde somit erstmals Gemeindemeister bei den Jugendfeuerwehren.


Gemeindebrandmeister Horst Kühn, Jugendfeuerwehrwart Jochen Neumann, Björn Weber, Timo Neumann, Tobias Engel, David Seifert, Jugendfeuerwehrwart Phillip Ebach, Gemeinde-Jugendfeuerwehrwart Markus Kringe, (von l. nach r. stehend) Tobias Wagener, Roman Ax, Thomas Ebach, Christian Seifert, Joachim Ax. (von l. nach r. hockend)

Im Jahre 1998 wurde der noch vorhandene TSA in Eigenregie umgerüstet und zu einem Transportanhänger für Notstromaggregat und Beleuchtungsgeräte ausgestattet. Technisch wieder für den Straßenverkehr hergerichtet und zugelassen verfügt der Löschzug Nenkersdorf seit dem über ein LF8 sowie einen einsatzbereiten Geräteanhänger.

Auch im Jahre 2000 startete die Jugendfeuerwehr des Löschzuges

Nenkersdorf wieder bei den, jetzt Stadtmeisterschaften, und errang einen

sehr guten 2. Platz.

Aufgrund der guten Jugendarbeit im Löschzug nahm in diesem Jahr

auch eine zweite und dritte Gruppe an den Meisterschaften

teil und konnte erste Erfahrungen im Wettkampf sammeln.

Personell kann der Löschzug, durch gute Jugendarbeit, nun auf einen Stamm von 25 aktiven, 15 jugendlichen und 4 Alterskameraden zurückgreifen.


Jugendfeuerwehr am 14.10.2000

Hintere Reihe: T.Engel, M.Wagener, J. Neumann, R.Ax, T.Ebach, M. Neuser, B. Habicht, V. Wagener, R. Schäfer

Vordere Reihe: T.Ebach, j. Ax, C. Hofheinz, H. Weber, T. Engel, M. Giesler, F. Diehl, R. Viktor

 

Aktive Wehr und Alterskameraden am 14.10.2000

Alterskameraden

(v.links) E.Gürtler, F. Kringe, M. Frey, / Leo Leyener (fehlt auf dem Bild)

Aktive

(hintere Reihe v.l.)

G.Schmidt, E.Hanke, M.Weber, I.Gutsch, T.Wagener, Ernst H. Amos, M.Krämer, J.Michel, M.Viktor, S.Daub,

(vordere Reihe v. l).

J.Kringe, H.Schmidt, K.P.Bretzger, K.P.Diehl, M.Weber, J.Neumann, H.Becker, A.Büdenbender, C.Schmidt, S.Neuser.

(Auf dem Bild fehlend: T. Weber, P. Ebach, H. Michel, S. Filk)


Freiwillige Feuerwehr Netphen, Löschzug Nenkersdorf am 14.10.2000

Alterskameraden, Aktive Wehr, Jugendfeuerwehr


Im Jahre 2001 im März war es endlich soweit, die Löschgruppe Nenkersdorf bekam ihr neues Auto ein LF 8/6 leicht der Firma IVECO,Magirus überreicht.

 
 

Ein neues Tor wurde im Jahre 2004 im August eingebaut. Das alte Holztor hatte nun endlich ausgedient.

 

Personalstand im Jahre 2005

Zur Zeit hat die Löschgruppe Nenkersdorf 28 Aktive und 5 Jugendfeuerwehrmitglieder. Der Altersabteilung gehören momentan 5 Kameraden an.


Recherchiert in Jahre 2000 und 2005 durch die aktiven Kameraden des Löschzuges Nenkersdorf.

Zusammengetragen durch :

LZF Obm Joachim Kringe, Obm Gerhard Schmidt, Ubm Eckard Hanke

Fotos: Ofm Erich Gürtler, Ubm Friedhelm Kringe, Ofm Michael Weber,

Gestaltet durch Ofm Michael Weber, Ofm Roman Ax

(Danke auch an Wolfgang Heye und Karl Reinschmidt)


 

 Löschzug Nenkersdorf - älteste Feuerwehr des Netpherlandes

Im Mai d. J. feierte der Kreisfeuerwehrverband Siegerland-Wittgenstein sein zehnjähriges Bestehen. Er gab aus diesem Anlass eine Festschrift heraus, in der die Entwicklung des Feuerwehrwesens im Siegerland ausführlich dargestellt wurde. Hier heißt es u.a. : "Nach und nach wurden dann um etwa 1850.die ersten freiwilligen Feuerwehren im Kreis Siegen gegründet."

Dass um diese Zeit auch im Netpherland bereits eine Feuerwehr gebildet wurde, weist eine alte Urkunde aus Nenkersdorf aus, die Ortsvorsteher Erich Stein vor einiger Zeit bei den Akten der früheren Gemeinde Nenkersdorf entdeckte und im Jahre 1978 aus Anlass der Fertigstellung des neuen Feuerwehrgerätehauses dem Löschzug Nenkersdorf überreichte. Diese Urkunde ist von der Verwaltung eingehend geprüft und es sind Nachforschungen über die in der Urkunde genannten Rechtsgrundlagen angestellt worden.

Nach der in dieser Festschrift des Kreisfeuerwehrverbandes angegebenen "Feuer-Lösch-Ordnung für die ländlichen Gemeinden des Kreises Siegen" vom 08.04.1934 ist, wie im Archiv der Stadt Siegen festgestellt wurde, am 30.11.1841 die "Feuer-Polizei-Ordnung für die Provinz Westfalen" erlassen worden. Diese Verordnung enthielt bis ins einzelne gehende Bestimmungen zur "Vorbeugung von Feuersgefahr", über

"Vorkehrungen zur Löschung von Feuersbrünsten" und über das "Verhalten bei und nach dem Ausbruche des Feuers". So wurde im   § 50 hin sichtlicher "Feuer-Löschgerätschaften" " jede Gemeinde verpflichtet, „die zur Löschung des Feuerausbruches und zur Abwendung des dabei zu besorgenden Schadens erforderlichen Anstalten bei sich zu begründen, anzuschaffen und stets in gehörigem Stande zu erhalten.“ per Feuerspritze kam offensichtlich eine ganz besondere Bedeutung zu. So musste in jeder Gemeinde eine fahrbare Feuerspritze, "in größeren Gemeinden müssen, dem Bedürfnisse entsprechend, deren mehrere vorhanden sein".

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§ 57 der Feuer-Polizeiordnung bestimmte: 

"Die Feuerspritzen müssen zweiarmige Druckbäume, einen kurzen und einen 50 - 70 Fuß langen Schlauch haben und von der Beschaffenheit sein, dass sie einen starken Wasserstrahl 60 - 80 Fuß weit werfen. Auch muss bei der Spritze eine Flasche mit Brennspiritus vorhanden sein, damit dieser, wenn die Kolben eingefroren sein sollten, in den Spritzenkessel ausgegossen und daselbst angezündet werden kann." 

§ 60, der auch in der Gründungsurkunde der Feuerwehr Nenkersdorf

erwähnt ist, schreibt folgendes vor: 

"Für jede Spritze ist ein zuverlässiger Mann, der damit umzugehen versteht, und der außer ihrer Leitung und Führung beim Ausbruche eines Feuers für ihre beständige Brauchbarkeit sorgen und einstehen muss, als Spritzenmeister zu bestellen. Dem Spritzenmeister ist für den Fall der Behinderung ein geeigneter Stellvertreter beizuordnen."

 Zahlreichs interessante Stellen könnten noch aus dieser alten Feuer-Polizei-Ordnung zitiert werden. Dass auch schon damals der besondere Einsatz der Feuerwehrleute gebührend eingeschätzt wurde, kann durch den § 97 belegt werden: 

"Wer sich bei Löschung eines Feuers, insbesondere bei Rettung in Lebensgefahr befindlicher Menschen, auszeichnet, dessen Namen soll nicht nur belobend öffentlich bekannt gemacht, sondern es soll demselben auch nach Befinden der Umstände eine Belohnung aus öffentlichen Fonds durch die Regierung bewilligt und die Rettungsmedaille ausgewirkt werden." 

Nach dieser Feuer-Polizei-Ordnung für die Provinz Westfalen wurden zusätzliche Bestimmungen als "Feuer-Polizei-Ordnung für den Kreis Siegen, mit Ausschluss der Stadt Siegen" am 2.9.1843 durch den "Königlichen Landrat" von Schenck erlassen. Diese Feuer-Polizei-Ordnung ist ebenfalls in der Gründungsurkunde der Feuerwehr Nenkersdorf erwähnt und wurde auch im Archiv der Stadt Siegen entdeckt. 

Nach dieser Vorschrift war das Tabakrauchen aus unbedeckten Pfeifen in Städten, Dörfern und Höfen und in den Wäldern und Haubergen zur Sommerzeit bei anhaltender Dürre bei 10 Sgr. Silbergroschen) bis 1 Taler Strafe verboten.

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§ 6 enthielt folgende Bestimmung:

 

"Bei jeder Spritze sollen im Verhältnisse ihrer Größe 20 bis 30 Feuereimer, 4 kleine und bis 10 große Feuerleitern zu 30 Fuß Länge, 2 Laternen, 8 Feuerpatschen und 8 - 12 Feuerhaken stets brauchbar vorhanden sein." 

Nach § 12 war jeder arbeitsfähige Bewohner, "sobald die Feuerzeichen  eines im Orte ausgebrochenen Brandes vernommen werden", verpflichtet, "zur schleunigen Löschung nach allen Kräften mitzuwirken und sich zu dem Zwecke auf der Brandstätte einzufinden."

§ 13 schrieb folgendes vor:

"Die obere Leitung der Lösch-Anstalten führt der erste Orts-Polizeibeamte als Feuer-Lösch-Dirigent, so lange, bis der Amtmann resp. Bürgermeister auf der Brandstätte erscheint; dann übernimmt dieser dieselbe.

Zur Erhaltung der Ordnung sind in der Gemeinde bezeichnet:

Ordnungsführer,

Rettungsleute,

Rettungsaufseher,

Laternenträger,

Feuerboten, .

Spritzenmeister,

Spritzenmeister-Gehilfen,

Spritzenleute.

Diese sind in der Beilage namentlich verzeichnet, und sie begleiten ihre Posten lebenslänglich oder so lange sie sich in dem Orte aufhalten."

Diese einzelnen Aufgaben sind genau in dieser Reihenfolge in der Nenkersdorfer Urkunde aufgeführt. In den folgenden §§ der Feuer-Polizei-Ordnung ist ausführlich vorgeschrieben, welche Aufgaben diese Personen zu erfüllen haben.

Auch diese Feuer-Polizei-Ordnung enthält zahlreiche interessante Bestimmungen, die einen Einblick in die damaligen dörflichen Gegebenheiten und in die Lebensverhältnisse unserer Vorfahren geben. Als ein Beispiel sei abschließend der § 29 wiedergegeben:

"Jeder Hausbesitzer hat auf den ersten Feuerruf bei Nachtzeit seine Hauslaterne vor die Türe zu hängen, damit der Weg erleuchtet werde. In demselben Augenblicke sind auch die Wirtshäuser zu schließen und es dürfen nur alleine auf verlangen des Ortsvorstandes Getränke verabfolgt werden, bei Verlust der Schankerlaubniss."

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Der § 10, der auch in der Gründungsurkunde der Nenkersdorfer Feuerwehr erwähnt ist, regelt folgendes:

"Das Personal zur Beaufsichtigung, Bedienung und Leitung der Spritzen, Erhaltung der Ordnung, Rettung der Menschen und Sachen usw. ernennt der Bürgermeister, resp. Amtmann und die Ernennung wird alle Jahre bekannt gemacht."

Auf dem Hintergrund dieser Erläuterungen wird die Urkunde über die Gründung der Feuerwehr in Nenkersdorf im Jahre 1853 verständlich, die aus einer Erklärung des damaligen Gemeindevorstehers Peter von Nenkersdorf und einer Ernennung durch den seinerzeitigen Bürgermeister von Netphen Bülowius besteht. Die Urkunde hat (nach Überprüfung einiger Namen und Berichtigung von Schreibfehlern) folgenden Wortlaut:

"Nach § 60 der Feuer-Polizei-Ordnung ist auf heute, den 11. März 1853, der Gemeinderat zusammen berufen und die Wahl vorgenommen und darüber bestimmt, die dazu gehören und die Namen richtig aufgeführt:

1.) Ordnungsführer Georg Braas, Johs. Werdebach

2.) Rettungsleute Johs. Jung, Johs. Groß

3.) Rettungsaufseher Jost Heinrich Nüs, Eckhard Schneider

4.) Laternenträger Hermann Neußer

5.) Feuerboten Heinrich Leyener, Philip Löhr

6.) Spritzenmeister Johs. Peter

7.) Spritzenmeistergehülfe Heinrich Breuger, Heinrich Schmeck

8.) Spritzenleute Heinrich Ax, Eberhart Jörg, Johs. Schumacher,

      Eberhart Stein, Johannes Schneider, Philip

      Wagener, Adolf Neußer, Heinrich Bruch, Christian

      Klöckener, Jakob Werdebach, Johs. Vitt, Johs. Neußer

 

Die Aufstellung und die genannten Namen sind durch den Gemeinderat ernannt worden und pflichtmäßig aufgeführt.

Nenkersdorf, den 11. März 1853

Gemeindevorsteher Peter

 

br. m. zurück

Nach Ihrem Vorschlage resp. unter Berücksichtigung desselben ernenne ich hiermit die nebenstehend aufgeführten Personen als Personal zur Beaufsichtigung, Bedienung und Leitung der Spritzen, Erhaltung der Ordnung, Rettung der Menschen, Sachen usw. nach § 10 der Feuer-Polizei-Ordnung für den Kreis Siegen       vom 2.9.43.

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Sie haben dies den Beteiligten mitzuteilen, solches auch ortsüblich bekannt zu machen und demnächst Gegenwärtiges aufzubewahren.

Netphen, den 11. April 1853

                                                                                   Der Bürgermeister

                                                                                            Bülowius

 

Weitere Nachforschungen haben ergeben, dass die Feuerwehr Nenkersdorf seitdem ihre Tätigkeit offenbar nicht mehr eingestellt hat. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass in Nenkersdorf seit über 132 Jahren eine Feuerwehr besteht, die sich den Schutz des Nächsten und den Schutz von Hab und Gut zur Aufgabe gestellt hat. Der Ortsteil Nenkersdorf kann aufgrund dieser Urkunde für sich in Anspruch nehmen, da dort die erste Feuerwehr des Netpherlandes gebildet wurde.

 

Netphen, den 13. Nov. 1985

 

                                                                                                Lutz

                                                                                    Gemeindeamtsrat 

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Hier sind noch zwei Zeitungsdokumente über die Geschichte der Löschgruppe Nenkersdorf

- Zeitungsdokument von 1978 über den Neubau des Gerätehaus

- Zeitungsdokument über die Geschichte der Lg Nenkersdorf

- Teil 1  - Teil 2

 

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